Ein einziges Baumwoll-T-Shirt verschlingt rund 2.700 Liter Wasser. Kein Wunder, dass Hanf als nachhaltige Alternative gefeiert wird. Doch ist Kleidung aus Hanf wirklich so grün, wie ihr Ruf? Wir haben uns die Zahlen angesehen – inklusive der weniger bekannten Schattenseiten.
Die Vorteile: Warum Hanf so gut abschneidet
1. Deutlich weniger Wasser
Im Vergleich zu Baumwolle hat Hanf einen um rund 60 % kleineren Wasserfußabdruck und braucht 84 % weniger künstliche Bewässerung. In Mitteleuropa kommt Hanf meist allein mit Regenwasser aus.
2. Kaum Pestizide
Baumwolle wächst auf nur etwa 2,5 % der weltweiten Ackerfläche, verbraucht aber 10–16 % aller Pestizide. Hanf wächst so dicht und schnell, dass er Unkraut verdrängt und in der Regel ganz ohne Herbizide, Pestizide oder Fungizide auskommt.
3. Extrem langlebig
Hanffasern haben die höchste Reißfestigkeit unter den gängigen Naturfasern. Kleidung aus Hanf hält entsprechend lange – und ein Kleidungsstück, das länger getragen wird, ist oft der größte Nachhaltigkeitshebel überhaupt.
4. Gut für den Boden
Das tiefe Wurzelsystem lockert den Boden, und nach Hanf erzielen Folgekulturen wie Weizen 10–20 % höhere Erträge.
Die Nachteile: Was oft verschwiegen wird
- Aufwendige Verarbeitung: Die zähen Bastfasern zu lösen und zu verspinnen ist technisch und energetisch anspruchsvoll.
- Höherer Preis: In Europa fehlt vielerorts moderne Verarbeitungsinfrastruktur – reine Hanfkleidung ist deshalb teurer als Baumwolle.
- Tragegefühl: Neuer Hanfstoff ist anfangs eher steif und wird erst mit der Zeit weicher.
- Chemie bei „seidigem“ Hanf: Für besonders weiche Stoffe oder Hanf-Viskose sind oft chemische Verfahren nötig, die den Umweltvorteil teilweise aufzehren.
Die überraschendste Zahl
85–88 % des nicht erneuerbaren Energieverbrauchs im Lebenszyklus eines Hanfgarns entstehen erst in Fabrik und Spinnerei – der Anbau selbst macht nur etwa 4–8 % aus. Wie nachhaltig ein Hanf-Shirt wirklich ist, entscheidet sich also vor allem in der Verarbeitung.
Mythos-Check: „Hanfkleidung ist automatisch 100 % nachhaltig“
Nicht ganz. Wird Hanf nach der Ernte mit fossiler Energie getrocknet oder für die Verarbeitung um die halbe Welt transportiert, kann die Bilanz deutlich schlechter ausfallen. Achte deshalb auf kurze Lieferketten, mechanische Verarbeitung und unabhängige Siegel.
Fazit
Hanf ist eine der umweltfreundlichsten Fasern überhaupt – wenig Wasser, kaum Pestizide, extrem robust. Ob ein Hanf-Kleidungsstück wirklich nachhaltig ist, hängt aber davon ab, wie und wo es verarbeitet wurde. Wer bewusst einkauft und lange trägt, macht mit Hanf vieles richtig.
Quellen: Ökobilanz-Studien und Fachquellen zu Hanf- und Baumwolltextilien, zusammengestellt im Treez-Club-Recherche-Notebook.
